Die Diakonie-Sozialstation Metzingen e.V. feierte am 27.11.2015 in der Stadthalle in Metzingen ihr 40jähriges Jubiläum.

 

 

Professor Dr.Dr.h.c. Wolfgang Huber, Quelle: Angela Steidle
so fing alles an

Der Festvortrag wurde von Professor Dr.Dr.h.c. Wolfgang Huber gehalten, der 1966 als Vikar im Reutlinger Stadtteil Betzingen seine berufliche Laufbahn begonnen hat. 

 

 * Es ist das Da sein, das Vermitteln von Nähe und Wärme, die in unserer Gesellschaft oft fehlen", sagte Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler, der den Festakt zu "40 Jahre Diakonie-Sozialstation" mit Bischof im Ruhestand Professor Wolfgang Huber als Impulsgeber eröffnete. Ihm ist es Ehre und Verantwortung zugleich, als Vertreter einer bürgerlichen Gemeinde an der Spitze der kirchlichen Diakonie-Sozialstation zu stehen, die Hand in Hand auch ökumenisch arbeitet, wo es fehlt.

"Viele von Ihnen haben noch das Bild der Diakonissen im Kopf: Gemeindeschwester Luise Speidel, wie sie mit ihrem Kleinmotorrad zu den Patienten geeilt ist", erzählte Fiedler aus den Anfängen der Metzinger Diakoniestation, "das Land befürwortete den Ausbau ambulanter Stationen. Die Diakonissen hatten Nachwuchsmangel. Die Metzinger Diakoniestation entstand auf diesem Weg. Ich bin sehr dankbar um das enge soziale Netzwerk in unserer Gemeinde und die konstruktive Zusammenarbeit in manch schwierigen Zeiten." In die Ära von Oliver Maier, der im August des vergangenen Jahres verstorben ist, fällt unter anderem die Partnerschaft mit Sibiu in Siebenbürgen. Die Diakonie-Sozialstation betreut und vermittelt seit 2011 Pflegehilfen aus Rumänien. Die 24-Stunden-Pflege wurde unter seiner Ägide eingerichtet. Fiedler: "Dass Projekte wie das Gesundheitsdorf in Grafenberg auf den Weg gebracht werden konnten, ist sein Verdienst."

 

Dabei ist die Metzinger Station mit dem Wandel der Anforderungen stetig gewachsen, auf 103 Festangestellte und 113 Aushilfen. "Ein kleines Heer von Menschen im Dienst der Nächstenliebe, das den Wandel unserer Gesellschaft spiegelt", betonte Pfarrerin Petra Frey im Namen des Dekans.

 

Die große Aufgabe der Diakonie sei, die Zugehörigkeit zur Gesellschaft aufrecht zu erhalten: bei Älteren und Menschen mit chronischen Krankheiten. Die demografische Pyramide leide nicht an der sogenannten "Überalterung", sondern an einer "Unterjüngung", die den Mut der Älteren zum Leben brauche. Das diakonische Prinzip verstehe sich nicht - wie vor 40 Jahren - von selbst, so Huber. Es müsse selbstverständlicher Teil der Fort- und Weiterbildung sein.

Die Bandbreite der Pflegesituationen werde in Zukunft noch einmal gewaltig wachsen. Huber: "Die Mitarbeiterschaft wird pluraler. Die neue Anforderung in allen Bereichen ist die kultursensible Pflege. Die Diakonie wird es zunehmend mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion zu tun bekommen. Das Thema Religion darf bei der Integration nicht ausgeklammert werden."

Integration definierte der Bischof in zweifacher Hinsicht: "Auch gegenüber Menschen, die sich in ihrer vertrauten Umgebung nicht mehr wohl fühlen. Die Sorgen sind real. Menschen, die alleingelassen werden, verkriechen sich in ihre Ängste." Huber fordert auch von der Kirche Klarheit und Differenzierung: "Kriminelle Energien, die wahllos Menschen umbringen, um Angst in der Gesellschaft zu verbreiten, dürfen nicht auf die Muslime insgesamt übertragen werden." Er forderte den Perspektivenwechsel: "Wir stehen vor einer gewaltigen Völkerwanderung wie zur Nachkriegszeit. Diakonie heißt, in den Mokassins anderer zu gehen und ihnen so gerecht zu werden, dass sie in Würde leben können."

 

*Quelle: Metzinger Volksblatt/Ermstalbote, Metzingen

Einige Impressionen von der 40jährigen Jubiläumsveranstaltung in der Stadthalle in Metzingen

Orchester
Gäste
Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender
Professor Dr.Dr.h.c. Wolfgang Huber